Was machen Risikomanager und was ist Risikomanagement?

Erfahren Sie alles über den Beruf: Aufgaben, Voraussetzungen und welches Gehalt erzielt werden kann.

 

Naturkatastrophen, Eurokrise, Bankenpleiten, schwankende Ölpreise – Themen, die in den vergangenen Jahren die Nachrichtenlage bestimmt haben.  Auch für Banken sind sie von großer Bedeutung, denn derartige Ereignisse und Risiken können über den Erfolg von Investments entscheiden.

 

Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Risiken und dem Bedarf, diese zu erkennen und abzuwenden, sind Risikomanager mittlerweile Teil eines jeden Bankeninstituts. Welche Aufgaben hat ein Risikomanager? Welche Voraussetzungen sollte er erfüllen? Wie viel verdienen Risikomanager und wie stehen ihr Zukunftsaussichten? Das folgende Berufsbild beantwortet diese Fragen und gibt einen Einblick in den Berufsalltag.    

Warum wird Risikomanagement immer wichtiger?

Die Banken und andere Unternehmen setzen sich im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit Ziele.  Konkret investieren Banken beispielsweise Geld in Finanzmärkte, Immobilien, Unternehmen oder leihen anderen Banken Geld. Banken verfolgen mit derartigen Aktivitäten bestimmte Gewinn- und Renditeziele. Diese Ziele unterliegen dabei negativen wie auch positiven Risiken. Mögliche Naturkatastrophen bedrohen beispielsweise Investments in Infrastrukturprojekte oder können Versicherungsprodukte unprofitabel machen.

 

Hohe Inflationsraten, steigende Zinsen oder fluktuierende Rohstoffpreise können Geschäftsvorhaben von Unternehmen gefährden, in welche die Bank investiert hat oder plant zu investieren.

 

Gerade die vergangenen Jahre waren weltweit durch Themen wie die Finanz- und Eurokrise, Umweltkatastrophen und politische Veränderungen geprägt.  Außerdem gibt es unternehmensinterne Risiken, welche die Geschäftsziele gefährden können, zum Beispiel Cyberattacken oder Rechtsstreitigkeiten. 

 

Allerdings gibt es auch positive Risiken (Chancen), beispielsweise wenn sich Banken aus möglichen politischen Entscheidungen eine für sich neue, vorteilhafte Gesetzeslage erhoffen oder aufgrund einer verbesserten wirtschaftlichen Lage mit weniger Ausfällen bei der Kreditrückzahlung rechnen.  

Die Aufgaben eines Risikomanagers: Identifikation, Priorisierung, Einleiten von Gegenmaßnahmen und Evaluation

All die genannten Risiken müssen gemanagt werden. An dieser Stelle kommt der Risikomanager (oft auch Risikokoordinator genannt) zum Einsatz, welcher die zentrale Rolle im Rahmen des Risikomanagements einnimmt, verschiedene Aufgaben übernimmt und die entsprechenden Prozesse steuert.

 

Zunächst ist es Aufgabe eines Risikomanagers, mögliche Risiken zu identifizieren: Welche Risiken bestehen und wie wahrscheinlich ist es, dass diese eintreffen? Wo ist das Risiko beherrschbar, und an welchen Stellen nicht mehr? Im Rahmen der Risikoidentifizierung arbeiten Risikokoordinatoren mit Daten, Statistiken, spezieller Simulationssoftware und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Bei der Beurteilung von Finanzgeschäften müssen Risikomanager einschätzen, wie die Finanzmärkte ticken bzw. wie sie vermutlich auf bestimmte Ereignisse reagieren werden. Viele Ereignisse sind unvorhersehbar (z.B. Stromausfälle, Umweltkatastrophen), dennoch müssen sie so weit wie möglich berücksichtigt werden. 

 

Ziel des Risikomanagements ist es, die möglichen Auswirkungen beim Eintreten von negativen Risiken auf ein Minimum zu begrenzen bzw. vollständig zu vermeiden. Positive Risiken (Chancen) hingegen sollen forciert und genutzt werden. Aufgrund der Vielzahl an Risiken ist es allerdings nicht möglich, allen Risiken die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.  Eine weitere Aufgabe des Risikomanagers ist es also, die Risiken zu priorisieren. Welche Risiken sind am bedeutsamsten für die Bank bzw. das Unternehmen? Nicht alle Risiken sind gleich wichtig. Daher müssen der Risikomanager bzw. die Risikomanagerin im Rahmen einer Risikoanalyse die Wahrscheinlichkeit des Eintretens und die möglichen Auswirkungen von Risiken beurteilen. 

 

Nachdem die Risiken bekannt und priorisiert sind, ist es Teil des Aufgabenfeldes Maßnahmen zu konzipieren und einzuleiten, welche die Eintrittswahrscheinlichkeit von negativen Risiken reduzieren bzw., wenn möglich, von positiven Risiken erhöhen. Gerade hierbei arbeiten Risikomanager oft mit Fachabteilungen oder anderen externen Stakeholdern zusammen. In einer Evaluationsphase wird der Erfolg dieser Gegenmaßnahmen in regelmäßigen Abständen von Risikomanagern untersucht. Außerdem muss im Rahmen der Evaluation geprüft werden, ob sich an den Risiken bzw. deren Rahmenbedingungen etwas geändert hat oder bei den Gegenmaßnahmen nachgebessert werden muss. Im Rahmen ihrer täglichen Arbeit sind Risikokoordinaten häufig mit dem Erstellen von verschiedenen Reportings, Ratings und der Beratung von Fachbereichen, Geschäftsführungen bzw. Vorständen beschäftigt. 

 

Die Einsatzorte von Risikomanagern sind sehr unterschiedlich, da sich eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. Banken verfügen beispielsweise häufig über spezielle Risikomanagementabteilungen. Neben Banken können Risikomanager jedoch auch in Versicherungsunternehmen, Industrieunternehmen oder staatlichen Instituten tätig sein. 

Wie wird man Risikomanager in einer Bank? Wege in den Beruf

Seit einigen Jahren gibt es an einigen deutschen Hochschulen Studiengänge wie „Risk and Insurance Management“, „Risk Management“ oder „Risikomanagement“.  Bei vielen dieser Studiengänge handelt es sich um Master- oder nebenberufliche Studiengänge. Darüber hinaus ist es in einigen betriebswirtschaftlichen Studiengängen möglich, den Studienschwerpunkt auf Fächer wie „Bank- und Risikomanagement“ zu legen. Generell eignen sich auch wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge für eine spätere Karriere als Risikomanager. 

 

Weitere mögliche Studiengänge, um als Risikomanager einzusteigen sind Wirtschaftsmathematik oder allgemeine Mathematik. Diese Fächer bieten sich an, da die Aufgaben im Risikomanagement häufig von Daten, Statistiken und Berechnungen geprägt sind. 

 

Nicht selten handelt es sich bei Risikomanagern um „Quereinsteiger“, die zuvor in einer anderen Position tätig waren. Viele Risikomanager kommen aus Bereichen wie Controlling, Reporting, Qualitätsmanagement, Revision oder Finanzen. Daher ist es auch möglich, beispielsweise über eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder Versicherungskaufmann mit entsprechenden Fortbildungen oder etwas Berufserfahrung als Risikomanager zu arbeiten.

Welche Voraussetzungen sollten Risikomanager erfüllen und welche Kompetenzen sollten sie mitbringen?

Der Beruf von Risikomanagern ist sehr anspruchsvoll und vielseitig, daher sind zur Ausübung des Berufs in einer Bank bestimmte Kompetenzen gefragt. Daher ist es für Risikomanager nötig, dass sie ein gewisses Fachwissen und auch entsprechende Erfahrungen mitzubringen. Diese Erfahrungen können z.B. aus früheren Tätigkeiten in anderen Bankabteilungen stammen.   

 

Zur Identifikation sowie der Bewertung und Priorisierung von Risiken arbeiten Risikokoordinatoren in der Praxis mit Daten, Statistiken und Modellen. Aufgrund dessen sollten Risikomanager über eine schnelle Auffassungsgabe und ein ausgeprägtes analytisches Denkvermögen verfügen.  Der tägliche Umgang mit Zahlen sowie die Durchführung von Berechnungen und Simulationen erfordern darüber hinaus nicht nur eine gewisse Affinität zur Mathematik, sondern auch konzeptionelle und methodische Fähigkeiten sowie Kenntnisse in den Bereichen Statistik und Finanzmathematik. Zur Beurteilung von unternehmensinternen Risiken ist es zudem erforderlich, dass Risikomanager den Fokus auf Effektivität und Effizienz legen können. 

 

Im Rahmen ihrer täglichen Arbeit müssen Risikomanager regelmäßig auf wissenschaftliche Quellen oder Tools zurückgreifen, die nur auf Englisch verfügbar sind. Daher sind gute Englischkenntnisse als Risikomanager essentiell. 

Risikomanager können mit einem überdurchschnittlich hohen Gehalt rechnen

Wie bei vielen anderen Berufen im Bankenwesen gilt auch für Risikomanager, dass diese ein überdurchschnittlich hohes Gehalt beziehen. Im Schnitt verdient ein Risikomanager zwischen 45.000 und 60.000 Euro brutto pro Jahr. Allerdings sind auch sechsstellige Gehälter möglich, insbesondere wenn der Risikomanager innerhalb der Bank in leitender Position tätig ist oder direkt an den Vorstand berichtet.  

 

Wie in vielen Berufen, hängt auch bei Risikomanagern das genaue Gehalt von unterschiedlichen Einflussfaktoren ab. Unter anderem beeinflussen die Größe des Unternehmens, die Branche, eine mögliche Tarifbindung, die eigenen Kompetenzen und regionale Gegebenheiten das Gehalt. 

 

In den neuen Bundesländern verdienen Risikomanager im Schnitt 44.000 Euro brutto pro Jahr, während es in den alten Bundesländern ca. 56.600 Euro p.a. sind. In den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg schaffen es Risikokoordinatoren auf knapp 61.000 Euro brutto jährlich. Dieses Ost-West-Gefälle spiegelt jedoch auch die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider, welche bei derartigen Gehaltsvergleichen berücksichtigt werden müssen. 

Zukunftsaussichten und Aufstiegsmöglichkeiten für Risikomanager

Der Beruf als Risikomanager bietet gute Zukunftsaussichten. Angesichts zunehmender Krisen, Instabilitäten und Unsicherheiten in Bereichen wie Umwelt, Politik und Finanzen nimmt die Bedeutung des Risikomanagements in Banken und anderen Unternehmen zu. Gerade aufgrund der Rolle, welche die Banken während der Wirtschafts- und Finanzkrise eingenommen haben, steigt für Bankhäuser die Bedeutung des Risikomanagements. Damit einher geht die wachsende Nachfrage nach entsprechenden Fachkräften. Dies zeigt auch die zunehmende Anzahl an Studiengängen- und Schwerpunkten, die sich mit dem Thema Risikomanagement beschäftigen. 

 

Innerhalb von Banken gelten die Positionen der Risikomanager zudem als sicher, da diese von möglichen Filialschließungen kaum betroffen sind. Auch existieren verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten, beispielsweise zum Abteilungsleiter im Bereich Risikomanagement oder einer Finanzabteilung. Insgesamt bietet der Beruf des Risikomanagers also nicht nur spannende Aufgaben und gute Gehaltsaussichten, sondern ist zudem als zukunftssicher zu betrachten.  

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